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Das Land der Prüfungen

Der französische General Edmond Ruby nannte sein Standardwerk „Sedan – Terre d´épreuve.“, Sedan - Land der Prüfungen. Sedan in den Ardennen ist in der Tat ein Land der Prüfungen, denn kein Ort Europas musste so viele Schlachten erdulden, wie die „Pforte Sedan“, das Tor zu Frankreich. Die Bezeichnung " Ardennen" stammt aus dem Keltischen und bedeutet "tiefer Wald". Nicht weniger als drei Viertel des Gebiets um Maas und Semois sind mit Laub- und Nadelwäldern bedeckt.

Die Weite der Wälder brachte dereinst den Vormarsch der Römer ins Stocken, konnte jedoch den Vormarsch ganzer Völkerstämme nicht aufhalten. Immer waren die Ardennen Grenzland: In der Feudalzeit, als etwa Antoine de Croy die Schlossfestung von Montcornet wiederaufbauen ließ oder Evrard de la Marck mit dem Umbau der Schlossfestung von Sedan zum größten ""Château Fort" Europas und "kleinen Genf" begann.

Das beschauliche Städtchen Sedan, am Ufer der Maas gelegen, ist aber nicht nur berühmt für die Schlachten, die hier und in der Umgebung gefochten wurden, sondern auch durch seine Tuchindustrie, die im 17. Jahrhundert zu voller Blüte erwuchs. Dank einer neuartigen Webtechnik entstanden Wollteppiche und kunstvolle Spitzen. Heute erinnert die historische Teppichmanufaktur "Le point de Sedan" an die Zünfte und Branchen, denen Sedan einst Ruhm und Wohlstand verdanken hatte.

Von der Krümmung des Flusses Semois umgeben, zurückgezogen in den tiefen Wäldern der Ardennen, liegt Bouillon, eine kleine mittelalterliche Stadt, überragt von einer überwältigenden Burganlage. Die Burg von Bouillon, hoch über der Semois auf drei sich erhebenden Bergkuppen errichtet, mit ihren unzähligen Gangsystemen und riesigen Gewölbesälen, gilt als der älteste und interessanteste Überrest des Feudalsystems in Belgien. Die Ursprünge der ersten Befestigungen stammen aus dem 8. Jh.

Die Burg wurde unsterblich durch Gottfried, den Führer des ersten Kreuzzuges (1096) und Gründer des Ordens des Heiligen Grabmals, der seine Burg an das Erzbistum Lüttich verpfändete, um seine Expedition ins Heilige Land zu finanzieren. Die Burg wurde bis 1830 militärisch genutzt und erlebte unter den Kriegen Ludwigs XIV große Umbauarbeiten, die von Vauban durchgeführt wurden. Sie gilt als
bedeutendes Kulturerbe der Wallonie, das Reisende nicht nur durch seine kunsthistorische Bedeutung in seinen Bann zieht. So führt die burgeigene Falknerei vor, wie edle Raubvögel zu mittelalterlichen Zeiten gehalten wurden, und nächtliche Fackelbesuche sorgen für ein unvergessliches Erlebnis.

Kein Wunder, dass Bouillon das Hauptquartier dieser militärhistorische Reise ist.
 

Historischer Hintergrund

Moltke bei Sedan von Anton von Werner
Bei Sedan, in den französischen Ardennen gelegen, trafen immer wieder deutsche und französische Heere aufeinander. Die bedeutendsten Schlachten fanden im deutsch-französischen Krieg 1870 und im 2. Weltkrieg 1940 statt.

Der Westfeldzug 1940

Der deutsche Angriff im Westen im Mai1940, nach dem von Winston Churchill wegen seiner Stoßrichtung so genannten „Sichelschnittplan“, hat Historiker und Militärtheoretiker seit der Besetzung Frankreichs im Sommer 1940 inner wieder beschäftigt. Nachdem die deutsche Armee im ersten Weltkrieg vier Jahre lang vergeblich versucht hatte, die Front der Franzosen zu durchstoßen, gelang 1940 bereits nach vier Tagen, am 13. Mai. der Durchbruch bei Sedan. Die deutschen Panzerverbände konnten nun nahezu ungehindert an die Kanalküste vorstoßen und den Nordflügel der alliierten Kräfte in einem gigantischen Kessel einschließen. Weitere fünf Wochen später war der Westfeldzug für die deutsche Seite siegreich abgeschlossen.
Der amerikanische Historiker William L. Langer schrieb:
„Die moderne Geschichte berichtet von wenigen dermaßen betäubenden Ereignissen, wie es die Niederlage und der Einsturz der Französischen Republik im Juni 1940 waren. Seit Napoleons Blitzfeldzug gegen Preußen im Jahre 1806 war keine militärische Großmacht so schnell und unerbittlich zermalmt worden. In noch nicht sechs Wochen wurde eine der Mächte, die die Welt lenkten, vom internationalen Schauplatz buchstäblich hinweggefegt.“
Die entscheidenden Kämpfe des „Sichelschnitt“ fanden im auch heute noch weitgehend unveränderten Gelände bei Sedan statt. Hier lässt sich darstellen, wie nur 22 Jahre nach jahrelangem blutigen Stellungskrieg alte Militärdoktrinen zusammenstürzten und eine Revolutionierung des Kriegsbildes stattfand, die gemeinhin mit dem Wort „Blitzkrieg“ beschrieben wird. Seine wichtigsten Komponenten: massiver Einsatz neu entwickelter Panzerdivisionen, Zusammenwirken mit Flugzeugen, ein effizientes Führungssystem, Schnelligkeit und Überraschung und die Renaissance der Umfassungsschlachten.
Die Exkursion folgt hauptsächlich den Spuren der 1. Panzerdivision, dem damals modernsten Großverband der Wehrmacht, durch die als unwegsam erachteten Ardennen. Nachvollzogen werden die Verfolgung der ausweichenden französischen Verzögerungskräfte, der Übergang über die Maas bei Bouillon, Gefechte mit Grenzsicherungskräften, der Übergang über die Maas bei Sedan, der Einbruch in die französischen Verteidigungsstellungen sowie Begegnungsgefechte mit französischen Gegenangriffskräften. In einer idyllischen Landschaft finden sich noch diverse Relikte der damaligen Kampfhandlungen, unter anderem Reste der berühmten Maginot-Linie.

Der deutsch-französische Krieg 1870/71
Ebenfalls bei Sedan fand die wichtigste Schlacht im deutsch-französischen Krieg am 1.9.1870 statt. Mit der Kapitulation der französischen Truppen und der Gefangennahme des französischen Kaisers am 2. September war sie vorentscheidend für den Ausgang des Krieges.
Am 19. Juli hatte Frankreich Preußen den Krieg erklärt im Zusammenhang mit der Kandidatur des Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen für den spanischen Thron. Anfang August 1870, also vier Wochen vorher, hatten die Kämpfe begonnen. Die Franzosen waren mit ihrem Feldheer im Nordelsaß und in Nordlothringen aufmarschiert mit dem Plan, nach Süddeutschland anzugreifen. Die Deutschen waren schneller in der Mobilmachung und machten im Aufmarsch im großen Stil von der Eisenbahn Gebrauch. So kamen sie den Franzosen zuvor und griffen von der Rheinpfalz und vom Saarland her an. Die Franzosen galten traditionsgemäß als die erste Militärmacht Europas. Aber die Deutschen waren zahlreicher, weit besser ausgebildet und geführt. So wurden die Franzosen in mehreren schweren Schlachten geschlagen. Die Masse des französischen Feldheeres, fünf Korps, wurde in die Festung Metz hinein geworfen und war dort eingeschlossen. Drei Korps entkamen der Katastrophe. Ergänzt durch frische Kräfte wurde mit ihnen eine neue Armee unter Führung von Marschall McMahon aufgestellt, die Metz entsetzen sollte. Die Marschbewegungen wurden von deutscher Seite frühzeitig erkannt. Es gelang, diese Armee bei Sedan einzuschließen und zur Kapitulation zu zwingen. Zur Überraschung der Deutschen war der Kaiser Napoleon III. bei der nun gefangenen Armee.
Die Folgen des Sieges waren gravierend: Ausrufung der Dritten Republik in Frankreich, der Aufstand der Pariser Kommune, die Bildung des deutschen Kaiserreiches am 18. Januar 1871 in Versailles sowie große Gebietsabtretungen und Reparationen Frankreichs an Deutschland, die das deutsch-französische Verhältnis bis weit in das 20. Jahrhundert hinein belasten sollten.
Die Exkursion führt in das Gelände, in der die auf engem Raum zusammengedrängte Armee McMahon mit einer letzten verzweifelten Kavallerieattacke versuchte, das Schicksal noch zu wenden. Friedhöfe und Denkmäler beider Seiten erinnern an das blutige Geschehen.

Die Festung Sedan.
Eine Besichtigung dieser Festung ist vorgesehen. Dieses imposante Bauwerk stellt, wie in den Werbeprospekten herausgestellt wird, die größte Festungsanlage Europas dar. Sie umfasst
35 000 qm auf sieben Stockwerken und konnte eine Besatzung von 4000 Soldaten aufnehmen. Seit Baubeginn 1424 wurde die Festung immer wieder erweitert und der technischen Entwicklung und der Strategie angepasst. Beim Besuch des Museums in dieser Festung wird deutlich, wie sehr durch die Jahrhunderte hindurch die deutsch-französische Geschichte gerade mit Sedan verbunden ist.

Die Burg von Boullion
Auf einem Felsen in der engen Schleife der Semois ragt eine der eindrucksvollsten Burganlagen Europas auf. Ihre Geschichte ist untrennbar mit dem Namen ihres berühmtesten Besitzers verbunden. Es war Gottfried von Boullion, Herzog von Niederlothringen und Lehensmann des deutschen Kaisers, der den ersten Kreuzzug (1096-1099) ins Gelobte Land anführte. Nach der Eroberung Jerusalems wurde er Herrscher des dort gegründeten Kreuzfahrerstaates, nannte sich jedoch bescheiden „Schutzherr des heiligen Grabes“. Seine Ritterburg hat ein bewegtes Schicksal. Sie war ein derartig begehrtes Objekt, dass sogar französische Könige und deutsche Kaiser intervenierten. Die Burg wurde häufig belagert, einige Male auch erobert, dabei teilweise zerstört und immer wieder aufgebaut. Das Ergebnis ist heute ein interessantes Konglomerat verschiedener Baustile, überragt vom österreichischen Turm. Auch diese Anlage wird besichtigt. Von oben bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die Stadt und die Fluss-Schleife der Semois.