Sedan im 1. Weltkrieg
Die europäischen Staaten “rutschten” nicht so einfach in den Krieg. Alle Großmächte trugen dazu bei, dass die Krise eskalierte, da jeder von ihnen sein eigenes Einflussgebiet vergrößern wollte. Dennoch war Deutschland primär für den Kriegsausbruch verantwortlich. Insbesondere das deutsche Militär schien sicher, mit dem Schlieffen Plan einen schnellen Sieg erringen zu können. Anfangs waren alle Länder davon überzeugt, dass der Krieg ihnen aufgedrängt wurde. Das war auch der Grund, warum diese Kriegsbegeisterung, einer Mixtur aus Pro-Krieg-Gefühl und leidenschaftlichem Patriotismus, im August 1914 zu Tage trat. Aber es gab auch eine Menge Skepsis, Panik und Furcht. Die Tagespresse hingegen schürte das vollständige Vertrauen in den Sieg. Ein „Burgfrieden“, eine „Union Sacrée“ sollte alle sozialen Gräben zuschütten. Dieses „die Reihen schließen“ sollte jedoch später durch die weitere politische Entwicklung in Frage gestellt werden.
“Grenzlandschlachten” nannte man die Reihe von Kämpfen, die direkt nach Ausbruch der Feindseligkeiten entlang der französischen und südlichen belgischen Grenze gefochten wurden. Diese Schlachten konfrontierten zum ersten Mal die Philosophie des französischen Plans XVII mit dem deutschen Schlieffen Plan.
Noël Marie Joseph Édouard, Vicomte de Curières de Castelnau übte in den Jahren 1911 bis 1914 sowie ein zweites Mal 1915/16 die Funktion als Chef des Generalstabes im französischen Oberkommando unter General Joffre aus. Gemeinsam mit dem französischen Oberbefehlshaber und anderen einflussreichen Generälen, wie Lanrezac und Mangin, war er ein führender Vertreter des „Offensivdenkens“, und vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs an der Entwicklung des Plan XVII, einem Dokument mit der Definition der strategischen Kriegsziele in einem Krieg mit dem Deutschen Reich, beteiligt. Plan XVII stützte sich auf die Annahme, dass die französische Armee, egal zu welchem Preis, die verlorenen Gebiete des Elsass und Lothringens, im Zuge der Zerschlagung des Deutschen Reichs, zurückgewinnen müsse. Beide Territorien mussten als Folge der französischen Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg an das Deutsche Reich abgetreten werden.
Schwerpunkt auf dem rechten Flügel
Konträr zu Plan XVII sah der Schlieffen Plan die französische Angriffsrichtung voraus und entschied dort in der Defensive zu verharren, die Elsass und Lothringen Front mit den möglichst minimalen Kräften zu verteidigen, um die Masse des französischen Heeres dort zu binden. Die Mehrheit der deutschen Kräfte befand sich auf dem rechten Flügel, sollte durch das neutrale Belgien, dann nach Frankreich marschieren, hinter Paris einschwenken und die französische Armee mit einer großen Zangenbewegung einkesseln und sie zwischen den zwei deutschen Kräften (Hammer und Amboss) vernichten. Danach sollte sofort Frankreichs Verbündeter, Russland, niedergerungen werden. Die Deutschen nahmen fälschlicherweise an, dass sich England, das formell keine Allianz mit den beiden anderen Nationen bildete, neutral verhalten würde. Falls England doch in den Krieg eintreten sollte, so fürchtete man deren kleines, stehendes Heer nicht.
Frankreichs Grenzbefestigungen gründeten sich in erster Linie an die großen Befestigungszonen von Verdun bis Toul, sowie an die auf sich gestellten Forst von Epinal und Belfort. Im Norden vertraute Frankreich auf die Unpassierbarkeit der Ardennen und die Neutralität Belgiens. Basierend auf diese Fakten stützte sich Plan XVII auf eine zweigeteilte Offensive nördlich und südlich der Verdun-Toul Linie. Im Süden würden die 1. und 2. Armee Lothringen, im Norden sollten die 3., 4. und 5. Armee durch die südlichen Ardennen in Richtung Luxemburg angreifen. Am linken Flügel der 5. Armee, gegenüber der belgischen Grenze, schloss sich das britische Expeditions Korps (BEF) nahe der Festungsstadt Maubeuge an.
An der französischen Grenze war die Truppenstärke der Deutschen und Franzosen annähernd gleich. Selbst an der Nahtstelle zwischen Metz und Thionville. Gegenüber der 5. französischen Armee und dem britischen BEF marschierten die deutsche 1., 2.und 3. Armee auf, die den nördlichen Flügel des Schlieffen Plans bildeten.
Plan XVII sah vor, dass die französische Offensive gegen das deutsche Zentrum mit der 3.,4. und 5. Armee durch die südlichen Ardennen vollzogen werden sollte. Doch schon bei Beginn der Offensive drohte Plan XVII sich zu verflüchtigen. General Charles Lanrezac, Kommandeur der 5. Armee, wollte wegen des schnellen deutschen Vormarschs in Belgien seine Kräfte weg von den Ardennen und mehr Richtung Belgien umgruppieren. Joffre ignorierte zunächst diese Bedrohung, erlaubte dann jedoch Lanrezac am 12. August sein 1. Korps an die Maas im Westen von Dianant zu verlegen. Als Lanrezac am 15. August meldete, dass er bei Dinant von deutschen Truppen angegriffen würde, fügte sich endlich Joffre und befahl der Masse der 5. Armee hinter der Sambre Stellung zu beziehen. Um die Lothringer Front gegen die Offensive 6. Armee des bayerischen Kronprinzen, Rupprecht von Bayern, zu schützen, zog Joffre weitere Divisionen von der Ardennenfront ab.
Die Schlacht in den Ardennen begann am 21. August mit dem Angriff General Pierre Ruffey´s 3. Armee in Richtung Briey, während die 4. Armee unter General Fernand de Langle de Cary auf Neufchateau vorrückte. Die deutsche 4. Armee unter Albrecht, Herzog von Württemberg hatte den Befehl, die Maas im Raum Sedan zu überschreiten und sich, an die 5. Armee linkerhand anlehnend, weiter nach Süden in den Rücken des Festungsgürtels um Verdun vorzustoßen. Bei Neufchateau kam es zu einem ersten Treffen mit französischen Verbänden, die aber schnell über den Semois zurückgeworfen wurden und die sich später hinter die Maas zurück zurückzogen.
Sedan im Würgegriff der kaiserlichen Armee
Am 25. August erreichten die ersten deutschen Truppen die Maas und nahmen nach heftigen Kämpfen die Stadtteile auf dem rechten Ufer ein. Noch in der Nacht zum 26. August baute die 15. Infanteriedivision (VIII. Korps) eine Kriegsbrücke bei Albert, westlich von St Menges, überquerte den Fluss und ging nach Süden vor. Einen Tag später gingen auch das VIII. Korps und das VIII Reservekorps über die Maas, stießen auf die Maashöhen vor und drangen bis zum Bois de la Marfée vor. Die Stelle, an der zwei Brücken für den Übergang gebaut wurden, ist übrigens identisch mit der von Guderians Brückenbauspezialisten im Juni 1940.
Die 16. Division baute eine Brücke östlich von Donchery und die 16. Reservedivision konnte zwei unzerstörte Brücken in Sedan zum Übergang nutzen. Alle diese Einheiten drangen nun in Richtung Noyers vor, wurden dort aber am Nachmittag von der 21. und 22. französischen Infanteriedivision angegriffen und mit Artillerie eingedeckt. Die Spitzen mussten daraufhin von der Höhe 301, Moltkes Feldherrnhügel von 1870, auf Frénois zurückgenommen werden.
Am 27. August entbrannte um die Höhenzüge bei Noyers eine heftige Schlacht. Dreimal wechselte das Gelände den Besitzer, bis endlich die Franzosen am Abend die Überhand behielten. Am nächsten Morgen war ein deutscher Großangriff geplant, der aber abgesagt wurde, nachdem man feststellte, dass der Feind die Höhe geräumt hatte. Die deutschen fühlten sich bereits als Sieger, mussten aber dennoch am Abend das Gelände wieder wegen extrem heftigen Artilleriefeuers aufgeben. Erst als im Süden auf dem linken Flügel der 4. Armee ein entscheidender Durchbruch erzielt worden war, mussten sich die Franzosen endgültig aus der Gegend um Noyers zurückzuziehen. Die Schlacht um Sedan 1914 war beendet.
Sedan ist von den Deutschen besetzt
Ende August war Sedan von den Deutschen besetzt und wie in vielen Städten im Norden und Osten Frankreichs begann eine Zeit der Entbehrungen. Diese Jahre waren so hart, dass es nicht verwunderte, als im Mai/Juni 1940 die Bevölkerung schon vor der Besetzung Sedan´s das Weite suchte.
Die deutsche Besatzungszeit zeichnete sich durch eine Flut an Verordnungen aus. Sie betrafen Verbote, Restriktionen und Requirierungen. Okkupation bedeutete auch, dass die Bevölkerung an die Stadt gebunden war. Man konnte nicht hinein oder heraus und auch nicht mit anderen Franzosen oder Freunden und Verwandten im Lande kommunizieren. Registrierung bedeutete, dass die Einwohner ihre Namen an der Wand ihres Hauses geschrieben fanden. Ausbeutung hieß, dass die Bevölkerung harten Arbeitseinsätzen unterworfen war, an denen sich jeder über 14 Jahren beteiligen musste.
Hunger setzte bereits im Herbst 1914 wegen der Wegnahme der Lebensmittel ein. Weißbrot und Milch verschwanden als erstes, gefolgt von Fleisch und dem meisten Gemüse. Das Requirieren von Möbeln (1916), Betten (1916), diversen Metallen (1917) oder Matratzen (1917) betrachtete die Bevölkerung als Raub. Hauptbeschäftigung der Menschen war die Lebensmittelbeschaffung; selbst für die Privilegierten unter den Sedanern. Die Lieferung von Lebensmitteln wurde gefeiert.
Eine weitere Gefahr für die Bewohner von Sedan war die Geiselnahme, die sie physisch bedrohte. Während des Krieges 1879/71, garantierte die Geiselnahme den Besatzern Schutz vor Saboteuren oder anderen Widerständlern.
35 deutsche Divisionen an die Westfront
Anfang 1918 waren Alliierte wie auch Deutsche am Ende ihrer Kräfte. Als in Russland die Oktoberrevolution ausbrach, war Deutschland des Zweifrontenkrieges entledigt. Der deutsche Oberbefehlshaber Erich Ludendorff verlegte die frei gewordenen Truppen an die Westfront. Nun standen Deutschland 35 Divisionen für einen Großangriff auf Paris zur Verfügung.
Dank neuer Taktik und der Erfahrung vieler Kriegsjahre machten die Deutschen anfangs enorme Fortschritte, wie sie sie seit 1914 nicht mehr gesehen hatten. Die französischen Armeen befanden sich auf dem Rückzug vor dem deutschen Moloch.
Die einzige Macht, die sich einem deutschen Triumph entgegen stellte, war das amerikanische Expeditions Korps (AEF – American Expedition Forces) bei Belleau Wood. Die Marines und Soldaten hielten die Deutschen so lange auf, bis sich die Franzosen umgruppiert hatten
Während des Sommers 1918 hatten die Alliierten die Situation im Griff und reorganisierten ihre Front, die bereits gefährlich nahe bei Paris lag. Die erste große Aufgabe war die Eliminierung des „St. Mihiel Frontvorsprungs”, der wie ein Dorn in die alliierte Front ragte.
Amerikaner an die Front
Diese Aufgabe wurde den Amerikanern zugewiesen, die auf ihren ersten großen massierten Einsatz warteten. September 1918 hatten sie bereits einige der Gebiete, die sie an die Deutschen im Jahr zuvor verloren hatten, zurück gewonnen.
Obwohl es die Alliierten nicht ahnten, war Deutschland in die Ecke gedrängt. Es sah zwar so aus wie im vergangenen Jahr, jedoch mit einer Ausnahme. Jetzt gab es eine völlig neue Armee am südwestlichen Flügel der Westfront. Die Alliierten glaubten nun, dass die Zeit gekommen wäre, General Pershings Armee einzusetzen, um den numerischen Vorteil auszunutzen.
Um den Deutschen vorzugaukeln, die Offensive würde sich gegen Metz richten, wurden einige Kniffe angewandt. Die 1. US Armee begann hingegen sich zwischen der Maas und dem Argonnner Wald zu formieren. Der Kommandeur des AEF, General Pershing schrieb darüber: „ Bislang hatte die deutsche Armee kein Zeichen der Demoralisierung gezeigt, und obgleich die Masse ihrer Truppe psychisch angeschlagen war, zeigten die Eliteeinheiten, insbesondere die Maschinengewehrabteilungen außergewöhnliche taktische Fähigkeiten, sowie Mut. Der deutsche Generalstab war sich völlig klar über die Konsequenzen einer erfolgreichen Offensive an der Maas-Argonnenlinie. Es war sicher, dass er alles menschenmögliche unternehmen würde, um uns zu stoppen. Die gesamte Operation war mit größtmöglicher Geheimhaltung geplant worden und uns war allen klar, dass wir alle unsere Divisionen einsetzen mussten, um eine Entscheidung zu erzwingen. Wir erwarteten die besten Divisionen der Deutschen zu treffen und sie zu zerstören“.
Ein amerikanischer Offizier, der im 2. Weltkrieg berühmt werden sollte, George S. Patton, war auch in die kommende Offensive eingebunden. Patton diente 1916 als Adjutant Pershings während der amerikanischen Strafexpedition gegen Mexiko. Als er, begleitet von zehn Soldaten des 13. Kavallerie Regiments, Pancho Villa verfolgte, tötete er den Chef von Villa´s Leibwächtern, „General“ Julio Cardenas, persönlich mit einem Colt „Peacemaker“. Dafür und auch für seine Vorliebe für den Colt, gab Pershing ihm den Spitznamen „Bandito“. Diese Aktion machte ihn schlagartig in den Vereinigten Staaten zum Star.
Patton beim United States Army Tank Corps
Im April 1917, zwei Monate nach Pattons Rückkehr aus Mexiko erklärten die USA Deutschland den Krieg. Pershing, nun zum Oberkommandierenden der American Expeditionary Forces ernannt, beförderte Patton zum Captain (Hauptmann) und bat ihn, ihn nach Frankreich zu begleiten. Dort begann sich Patton für den Panzer zu interessieren, einer bis dato neuen und ziemlich unerprobten Waffe. Er wurde zum Major befördert und wurde im November 1917 als einer der ersten zum United States Army Tank Corps versetzt. Er wurde dann Chef der neuen Panzerschule in Langres (Frankreich) wo er die 304. Panzer Brigade formierte und trainierte. Er wurde schnell zum Lieutenant Colonel (Oberstleutnant) promotet und führte Mitte September die 1. Panzer Brigade in die Schlacht um St. Mihiel.
Es war eine sehr komplexe Aufgabe, die Masse der Bodentruppen der AEF kämpfend durch das raue, hügelige Terrain zu führen, das die Deutschen vier Jahre lang befestigt hatten. Das Ziel der Offensive war die Wegnahme des Eisenbahnknotenpunkts bei Sedan. Ein Erfolg hätte zur Folge, dass das Eisenbahnnetz der deutschen Nachschubeinheiten für die Truppen in Frankreich und Flandern lahm gelegt worden wäre und konsequenterweise zum Rückzug aus den besetzten Gebieten geführt hätte.
Die Hauptmasse der Streitkräfte, die an dem ersten Ansturm teilnahm, musste durch den Frontvorsprung von St Mihiel zu einer neuen Sammelstelle nord- und nordöstlich von Verdun geschleust werden. Die Durchführung dieses Manövers in solch kurzer Zeit war eines der großen Errungenschaften des 1. Weltkrieges. Verantwortlich für Planung und Durchführung war Colonel (Oberst) George C. Marshall, ein Mann der, wie Patton, im 2. Weltkrieg Furore machen sollte.
Die deutschen Kräfte, die den Amerikanern gegenüberstanden, bestanden aus 40 Divisionen der Armee Gruppen des Kronprinzen und General Max Carl von Gallwitz, deren größter Verband, die 5. Armee von General Georg von der Marwitz kommandiert wurde. Am 25. September, um 22.30, begann das Artilleriebombardement von 2.700 Geschützen. Danach griffen zehn US Divisionen, jede 26.000 Mann stark, organisiert in drei Korps, an. Der deutsche Heeresbericht meldete dann am nächsten Tag: „In der Champagne und zwischen den Argonnen und der Maas haben auf breiter Front französisch-amerikanische Angriffe nach elfstündiger Feuervorbereitung begonnen. Der Durchbruch des Feindes ist vereitelt. Der Kampf um unsere Stellungen dauert an“. Aber erst am 27. September war Montfaucon erobert. Die Verzögerung von anderthalb Tagen erlaubte es den deutschen Truppen, sich vom Schock zu erholen und neu zu formieren. Das sollte sich als größte verpasste Gelegenheit des AEF herausstellen.
Am 29.Oktober wurden sechs neue deutsche Divisionen den Amerikanern entgegen geworfen. General Pershing bemerkte dazu: „wir sind nicht mehr dabei uns aus dem Frontvorsprung herauszuarbeiten, sondern waren zu einem Frontalangriff gegen einen entschlossenen Gegner gezwungen“. Der deutsche Heeresbericht meldete: „Gegen den Ostrand der Argonnen und gegen die Linie Apremont - Cierges - Brieulle stieß der Amerikaner in mehrfachen Angriffen unter teilweisem Einsatz neuer Divisionen vor. Örtliche Erfolge konnte er bei Apremont und östlich von Cierges erzielen, wo er unsere Linie am frühen Morgen bis an den Wald von Cunel und Fays zurückdrückte. Aber auch hier sind, wie an der ganzen übrigen Front, die Angriffe des Feindes unter sehr schweren Verlusten für ihn in unserem Abwehrfeuer, in zähem Nahkampf und an unseren erfolgreichen Gegenangriffen gescheitert. Unsere Schlachtstaffeln griffen den östlich der Aire anstürmenden Feind mit großem Erfolg an. Bei den gestrigen Kämpfen wurden mehr als 150 Panzerwagen des Feindes zerstört. Wir schossen gestern 32 feindliche Flugzeuge und 3 Fesselballone ab”.
The Lost Battailon
Am 3. Oktober wurde das 308. Bataillon der 77. US Division, das später als “Lost Battailon” (verlorenes Bataillon) berühmt wurde, eingekesselt. Nichts ging mehr. Pershing gruppierte für einen neuen Angriff um. Aber erst am 7. Oktober gelang es dem durch die 82. Division verstärkten 1. Korps die Eingeschlossenen mit Hilfe eines Flankenangriffs zu entsetzen.
Die Argonnen produzierten viele erwähnenswerten Aktionen, die wichtiger, aber keine, die dramatischer war als die des „Lost Battailon“. Der Zwischenfall konnte sich auch nur in den Argonnen ereignet haben, wo die Kommunikation zwischen den kämpfenden Einheiten immer schwierig und häufig unmöglich war. Major Whittlesey's Batallion, das durch den Wald vorging, erreichten ihr Tagesziel, nur um festzustellen, dass sie Kontakt zu ihren amerikanischen und französischen Nachbareinheiten verloren hatten. Es stimmte nicht, wie häufig berichtet wurde, dass Whittlesey über sein Ziel hinaus vorgestoßen wäre. Er war auf jeden Fall so weit entfernt von jeglicher Hilfe, dass eine Rettung unmöglich schien. Deutsche Maschinengewehre waren hinter ihm, seine Männer wurden von allen Seiten beschossen. Aber ihre Stellung war gut und so hielten sie aus. Schon bald waren die Vorräte verbraucht. 24 Stunden lang war selbst ihre Position der amerikanischen Armee unbekannt. Schließlich wurde ihr Standort durch Flugzeuge festgestellt und ein Versuch unternommen, sie mit Verpflegung und Munition zu versorgen. Selbst dann war ihre Rettung nicht sicher. Die Deutschen, die meinten, das Bataillon wäre ihnen auf Gnade und Ungnade ausgeliefert, schickten einen Parlamentär mit der Aufforderung sich zu ergeben. Whittlesey lehnte mit den Worten „Go to hell“ ab. Später versuchte Whittlesey seine Zeitgenossen zu überzeugen, dass er diese Worte gar nicht verwendet hätte. Vergeblich.
Mehrere Angriffe wurden ergebnislos unternommen, um die Truppe zu entsetzen. Erst eine Streitmacht unter Lieutenant-Colonel Gene Houghton brach durch, und brachte die erschöpften Männer in Sicherheit. Ohne Nahrung, Wasser, Kommunikation oder Reservemunition, abgeschnitten von ihren Linien, einem permanenten Bombardement und Angriffen ausgesetzt, wehrten sie sich gegen den Feind, bis sie nach fünf Tagen verzweifelter Kämpfe gerettet wurden. Die Kämpfe des 308. Bataillons, US Army 77. Division in den Argonnen sind in dem Film “The Lost Battailon” (2001) verewigt worden.
Kriemhild Stellung durchbrochen
Zwischen dem 9. und 21. Oktober entwickelte sich eine Schlacht, die hin und her tobte, während die Deutschen die US Streitkräfte und die Truppen des französischen XVII Korps angriffen und dann wieder verteidigten. Am 21. Oktober wurde Cunel eingenommen und die dritte deutsche Verteidigungslinie, die Kriemhilde Stellung der Hindenburglinie, durchbrochen. Am 1. November, nach einem gigantischen Straßenbauprogramm, das die angespannte logistische Lage entspannte, begann die reorganisierte 1. Armee unter dem Kommando von Lt. General Hunter Liggett mit ihrem Angriff auf Sedan. In den ersten Tagen rückte im Zentrum das V. Korps fast 10 Kilometer vor. Die Deutschen waren geschockt und ordneten einen Rückzug an. Am 5. November erreichten die ersten US Einheiten die Hügel, von denen man Sedan sehen konnte. Die Operationsgrenze der 1. Armee wurde jetzt nach Osten verschoben, um der französischen 4. Armee die Ehre der Wiedereinnahme der Stätte ihrer Niederlage von 1870 zu ermöglichen. Dadurch änderte sich auch ihre Angriffsrichtung. Zwischen dem 7. und 11. November rückten Einheiten, die schon auf dem Ostufer der Maas waren, nordwärts vor und das Hauptquartier der 1. Armee bereitete Pläne vor, das nächste logische Ziel, die alte Festungsstadt Montmedy zu erobern. Dazu kam es jedoch nicht mehr. Am 11. November gegen 06.00 trafen die Waffenstillstands Instruktionen von Marschall Foch ein.
Die Maas-Argonnen Offensive war die größte Schlacht der US Armee im 1. Weltkrieg. In sechs Wochen verlor die AEF 26.277 Männer und 95.786 Verwundete. Die deutsche Armee hatte 126.000 Verluste zu beklagen.





















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