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Ohrdruf und das geheimnisvolle Jonastal

Johann Seastian Bach
Zum ersten Mal wurde Ohrdruf urkundlich im Jahre 724 erwähnt, als Bonifazius das erste Kloster in Thüringen gründete: das Michaelis Kloster. Auch Johann Sebastian Bach lebte fünf Jahre lang in dieser kleinen thüringischen Stadt.
 

General Wilhelm Ritter von Thoma
Seit 1906 war Ohrdruf ein militärisches Übungsgelände, das auch Teile eines sagenumwobenen Tales mit einschloss, das Jonastal. Der Preußische Reichstag  gab dem „Gesuch der Stadt Ohrdruf wegen Einrichtung eines Truppenübungsplatzes“ statt. Es folgte der Aufbau von Baracken und Unterkünften auf dem Gelände nordöstlich der Ortschaft Ohrdruf. Hier wurden eine Reihe von Linien-, Reserve- und Landsturmverbänden aufgestellt. Während des Ersten Weltkriegs diente der Platz auch als Kriegsgefangenenlager für französische Soldaten: Bis zu 17.000 Häftlinge waren dort untergebracht. Im Januar des Jahres 1915 besuchte Kaiser Wilhelm II. den Truppenübungsplatz.

1934 wurde hier das Kraftfahr-Lehrkommando gegründet. Es war Deutschlands erste Panzereinheit, mit den Worten von
General Ritter von Thoma, war es “die Großmutter aller Panzerdivisionen.” Zunächst nur als ein einziges Bataillon aufgestellt, kam bald ein zweites hinzu, die mit dem Panzer I, einem kleinen, leichten Zweimannpanzer, der mit zwei Maschinengewehren ausgerüstet war. Diese beiden Bataillone waren der Kern von vielen weiteren Panzerregimentern, die folgen sollten.
 

In der Zeit von 1936 – 1938 wurde eine riesige unterirdischer Telefon und Telexanlage, das Amt 10 gebaut. Die Eingänge zu diesem Bunker wurden mit Einfamilienhäusern getarnt. Seine Maße waren über 20 m tief, 70m lang und 20 m breit. Beide Stockwerke hatten einen zentralen Mittelgang, etwa drei Meter breit, von dem links und rechts Räume und zwei WCs abgingen. Die Türen waren gleichzeitig Gasschleusen und zu den technischen Einrichtungen zählten, Zentralheizung, eigene Wasserversorgung aus einem 200 m Tiefbrunnen und Klimaanlage. Ein 475 Ps starker Schiffsdiesel versorgte die Anlage mit Strom.
 

Einer der drei Vollzeittechniker der Reichspost, die die Anlage in Schuss hielten, sagte nach dem Krieg aus, dass das Amt 10 nie, bis auf die letzten Wochen des Krieges genutzt wurde. Es war „mehr als nur ein Nachrichtenzentrum,“ wie der Techniker behauptete.
 

Elektromagnetische Kraftfelder

Jagdpanther V
Ein Augenzeuge behauptete, dass 1944 unter dem Amt 10 eine geheime Anlage gebaut worden wäre, die ein elektromagnetisches Feld erzeugte, stark genug, um Auto- und Flugzeugmotoren im Umkreis von 12 km auszuschalten. Merkwürdigerweise wurde während des Krieges von den Alliierten weder Luftaufklärung betrieben, noch Bombenangriffe geflogen, obwohl das Gelände zuerst als Truppenübungsplatz für Panther und Tigereinheiten und später als Konzentrations- und Arbeitslager betrieben wurde. Nach dem Krieg gaben die Amerikaner zu, dass tatsächlich elektromagnetische Wellen Einfluss auf den Lauf ihrer Flugzeugmotoren genommen hätten. Auch haben Arnstädter Bürger ausgesagt, dass manchmal Motoren einfach abgeschaltet hätten, sobald sie in der Nähe des Truppenübungsplatzes gewesen wären.
 

Baustelle Jonastal
Im Oktober 1944 ließ General von Gockl, Kommandeur des Truppenübungsplatzes Ohrdruf alle Wehrmachtsangehörigen von dem Gelände evakuieren. Anschließend wurde das berüchtigte Ohrdruf Konzentrationslager von der SS eingerichtet, während der SS-Führungsstab S-III (Sonderaufgaben III) in einer Schule bei Luisenthal einquartiert wurde. Ende 1944 hatte Hauptsturmführer Karl Sommer, Vizechef des SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt eine Gruppe Häftlinge aus Buchenwald zusammengetrieben, die 25 Tunnel mit einer Länge von 3 km mit dem Codenamen S-III errichten sollten. Der eigentliche Sinn der Baumaßnahmen ist bis heute unbekannt und umstritten. Eine der Spekulationen geht sogar so weit zu behaupten, dass die 25 Tunnelgrabungen im Jonastal nur Scheinunternehmen waren, die den wahren Sinn anderer Bauaktivitäten verschleiern sollten.
 

Tunneleingang Nr. 7
Die Firma SSP Exploration aus Weil am Rhein, die sich auf die Untersuchung von Feldanomalien spezialisiert hat, untersucht schon seit Jahren das Jonastal. Und sie haben einige spannende Hinweise gefunden: Dokumente, die man in den Archiven des KZ Buchenwald gefunden hat, untermauern die Vermutung, dass der dokumentierte Einsatz tausender Häftlinge zu einem Scheinunternehmen gehörte. In dem Zeitraum zwischen dem Baubeginn im Jonastal, November 1944, und März 1945, als der Bauplatz verlassen wurde, wurden ungefähr 25.000 Häftlinge ins Jonastal gebracht. Einige Buchautoren spekulierten, dass dieser enorme Arbeitseinsatz mit unbekannten Nuklear- und Fernraketenforschung zu tun haben könnte und deswegen diese vielen Arbeiter unterirdische Hallen zu bauen hatten. Diese Theorie wird von U.S. Colonel R. Allen, gestützt, der General Patton begleitete, als Ohrdruf am 11. April 1945 befreit wurde. In seinem Buch “Lucky Forward: The History of Patton's 3rd US Army” beschrieb er das, was die Amerikaner vorfanden:
 

Tunnelplan von Jonasta S-III
"Diese unterirdischen Installationen waren unglaublich. Sie waren fast kleine unterirdische Städte, von denen es in und um Ohrdruf herum vier gab. Eine unter dem KZ, eine andere unter der Burg und zwei westlich von Ohrdruf. Keine waren natürliche Höhlen oder Bergwerke, sondern allesamt mit Menschenkraft gebaut. Das KZ hatte die Arbeitskräfte gestellt. Interessant war auch festzustellen, dass es nirgends eine Anhäufung von Aushub gab. Dieser wurde sorgfältig zwischen den umliegenden Hügel verschüttet. Die einzige Installation, die bekannt war, war das zweigeschossige Kommunikationszentrum, das Amt 10.
 

Jonastal S-III
Rund 20 m unter der Erde bestanden die Einrichtungen aus 2 und 3 Stockwerken, ungefähr 10 km lang und hatten die Form eines Rades. Die gesamte Struktur war aus Stahlbeton. Der Verwendungszweck dieser riesigen Anlage warals Hauptquartier des Oberkommandos zu dienen, wenn die Lage in Berlin unhaltbar geworden war. Diese Bauten hatten Parkettböden und Teppiche, geflieste Badezimmer mit Wanne und Dusche, Arbeitszimmer, gigantische Kühlräume, Speisesäle, Esszimmer, Küchen-, Arbeits- und Aufenthaltsräume, Klimaanlagen, Kino und Abwässersysteme.“
 

Nukleares Laboratorium?

Angebliches Foto vom Innern der Anlage S III
Die Theorie eines nuklearen Laboratoriums wurde auch durch die Veröffentlichung des Buches “Hitlers Bombe” von Rainer Karlsch im Jahre 2005 gestützt. Karlsch berichtet darin, dass seine Recherchen ergeben hätten, dass im März 1945 ein nuklearer Sprengsatz mehrere hundert Häftlinge in einer gigantischen Explosion bei Ohrdruf getötet und Fallout Partikel in der Umgebung hinterlassen hätte. Zwar habe es keine Kernspaltung gegeben, aber die Deutschen hätten bereits im Frühjahr 1945 eine Zeitlang an einem Reaktor gearbeitet. Eine Vermutung, die von Historikern heftig bestritten wird. Der anerkannte Berliner Historiker Karlsch behauptet nicht Beweise für seine Theorie zu haben, sondern er vorhandene Quellen und Augenzeugenberichte interpretiere und damit weitere Forschung sich erhoffe. Karlsch berief sich in seinem Buch auf Untersuchungen von Bodenproben, bei denen Cäsium 137 und Kobalt 60 in erhöhtem Ausmaß festgestellt worden wären. Diese Behauptung ist mittlerweile widerlegt.
 

Baustelle vor den Tunneleingängen
Am 15. Februar 2006 teilte die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) mit, dass im Auftrag des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) Bodenproben aus dem dortigen Gebiet - heute ein Truppenübungsplatz der Bundeswehr - im Winter 2005 untersucht wurden. Die Messwerte gaben jedoch keinen Hinweis, dass andere Quellen als der Fallout oberirdischer Atombomben-Tests in den 1950er/1960er Jahren und der Reaktorunfall in Tschernobyl im Jahr 1986 für die Bodenkontaminationen verantwortlich sind. Insgesamt zeigen die PTB-Messergebnisse für eine Kernexplosion "keinen Befund".
 

Das Jonastal
Auch die U.S. Untersuchungskomission, die die deutsche Nuklearforschung 1945 untersuchte, kam zu dem Ergebnis, dass die Deutschen überhaupt nicht nah an einer Atombombe waren. Karlsch jedoch hat nie behauptet, dass die Deutschen Erfolg hatten, doch basierend auf Augenzeugenberichten und Luftaufklärungsphotos, die nach dem Krieg dokumentiert wurden, sowie sowjetischen Geheimdienstberichten, kommt er zu dem Schluss, dass am 3.März 1945 einen nuklearer Test in der Nähe des KZ Ohrdruf stattgefunden hatte. Karlsch sprach sogar von mehreren Tests einer taktischen Nuklearwaffe, die vom Potential weit unter dem der Hiroshima Bombe gelegen hätte.
 

"Zeichnung der Nazibombe entdeckt"

Die undatierte schematische Darstellung eines Nuklearsprengsatzes in einem Bericht über Nuklearwaffenforschung in Nazi Deutschland
Am 1. Juni 2005 veröffentlichte die BBC News einen Artikel mit der Überschrift “Zeichnung der Nazi-Atombombe entdeckt“. Weiter hieß es, „Historiker in Deutschland und Amerika sagen, sie hätten ein 60 Jahre altes Diagramm eines deutschen Atomsprengkopfes gefunden.. Es ist die einzig bekannte Darstellung eines nuklearen Sprengsatzes und wurde in einem Privatarchiv gefunden. Die Forscher, die das Dokument gefunden hatten, sagen, dass die Zeichnung eine grobe schematische Darstellung, die aber nicht sagt, ob die Deutschen die Bombe gebaut hatten, oder zumindest nah dran gewesen waren.“
 

Aber ein Detail gibt einen Hinweis darauf, dass Nazi Wissenschaftler doch näher an der Bombe waren, als normalerweise angenommen wird. Der Bericht, der das Diagramm enthielt, war undatiert. Aber die Historiker glauben zu wissen, dass die Zeichnung direkt nach dem Ende des Krieges gemacht wurde. Das Papier beschäftigt sich mit deutschen Nuklearwissenschaftlern während des Krieges und enthält kein Deckblatt, von dem zu ersehen wäre, wer der Autor war.
 

Heisenbergs Reaktor in Haigerloch
Dieses Papier wurde nach der Veröffentlichung des Buches “Hitlers Bombe” gefunden und wurde erstmalig im Fachblatt Physics World durch Rainer Karlsch, dem Buchautor and Mark Walker, Professor für Geschichte am Union College in Schenectady, USA, publiziert.
"Die Nazis waren weit entfernt eine normale Atombombe zu bauen”, wird Karlsch von der BBC News zitiert. „Aber sie hofften, diese Miniatombombe mit einer Fernrakete bestücken
"Das Militär glaubte, in sechs Monaten die Waffe soweit entwickelt zu haben, dass sie einsatzfähig gewesen wäre. Doch die Wissenschaftler waren anderer Ansicht, da sie wussten, wie schwierig es war an angereichertes Uran zu kommen“.
 

Heisenberg und Diebner

Werner Heisenberg
Kopf von Nazi-Deutschlands Atomforschern war der Physiker Werner Heisenberg. Obwohl Heisenberg eine Kapazität auf vielen Gebieten der Physik war, so wenig verstand er einen Schlüsselaspekt der nuklearen Kettenreaktion. Einige Historiker glauben, dass er die Menge Uranium, spaltbares Material, die benötigt wurde, überschätzte. Der aufgefundene deutsche Bericht hingegen schätzte die notwendige Menge auf etwas mehr als 5 kg der kritischen Masse einer Plutoniumbombe. Dies ist nahe an der tatsächlich benötigten Menge und deutet an, dass andere Physiker ein besseres Verständnis der Kettenreaktion als Heisenberg hatten.
 

Heisenberg nutzte diese schematische Darstellung während einer geheimen Vorlesung im Februar 1945
Professor Paul Lawrence Rose, der Pennsylvania State Universität, in den USA, und Autor des 1998 erschienen Buches über das deutsche Atomprogramm sagte, er hätte keinen Grund zu glauben, der Bericht wäre nicht echt, aber äußerte sich zweifelnd über die Bedeutung der Details hinsichtlich der kritischen Masse.






 

Gitterdiagram eines Nuklearreaktors, entwickelt von zwei konkurrierender Teams von Wissenschaftlern
“Obwohl es wunderbar ist, das Gewicht von 5 kg in diesem Bericht zu finden, so muss man doch skeptisch bleiben, was es bedeutet. Selbst wenn es wahr wäre und einige Wissenschaftler es verstanden hätten, hätte Heisenbergs Gruppe dies nicht akzeptiert“, teilt Rose der BBC News Website mit.
Er spekulierte weiter, dass der Autor des deutschen Berichtes möglicherweise den Smyth Report über die Entwicklung der US Bombe aus dem Juli 1945 gelesen habe, doch Karlsch und und Walker wiesen das zurück.
 

Rose hingegen glaubte, dass dies sehr unwahrscheinlich wäre. Übersetzungen von Abhörprotokollen, die der englische Geheimdienst MI6 von den Gefangenen in England aufgenommen hätte, würden beweisen, dass Diebner nicht das Wissen gehabt hätte, um dies zu tun.
 

“Karlsch hatte einige sehr wichtige Details in seinem Buch aufgedeckt, aber ich kann nicht die Schlussfolgerungen, wie den Nukleartest, unterstützen, die er zog“, erklärte Professor Dieter Hoffmann, vom Max Planck Institute für Wissenschaftsgeschichte of Science, in Berlin.
 

Kurt Diebner
Doch in ihrem Physics World Artikel verwiesen Karlsch und Walker auf einen Beweis für die Innovationen, die Diebners Team gemacht hatten, unter anderem ein Nuklearreaktor Design, der dem der Heisenberg Gruppe überlegen war.
"(Diebner) erhielt die Forschungsergebnisse aller Gruppen und konnte so den Informationsfluss kontrollieren. Nur wenige Wissenschaftler neben Diebner erfuhren so von seinem Bombenprojekt. Heisenberg hatte davon keine Ahnung“, erklärte Karlsch.
 

Bahnhof und Tunnel Oberhof
Währenddessen gingen die Arbeiten im Jonastal weiter. Im frühen März baute die Organisation Todt den Brandleite Eisenbahntunnel bei Oberhof aus, der die Sonderzüge von Hitler und Göring aufnehmen sollte. Daneben wurde ein Fernmeldeamt im Bahnhofsgebäude installiert und Flak Batterien auf den umliegenden Bergen postiert. Wie ein Reichspostbeamter später aussagte, trafen auch 200 Nachrichtenhelferinnen im Amt 10 ein.
 

Waffen-SS im Kampf mit den Amerikanern

Anfang April näherten sich Pattons Truppen Thüringen und Ohrdruf. Hier in der Nähe des Jonastales lieferte sich die die 6. SS-Gebirgsjägerdivision ab dem 3. April eine heftige Schlacht mit Pattons Einheiten. Die Amerikaner hatten großen Respekt vor dieser Einheit, da sie selbst keine Gebirgstruppen kannten. Die Frage war nur, warum gerade hier so heftig gekämpft wurde, denn es gab eigentlich weder eine taktische, noch strategische Notwendigkeit für solch einen verbissenen Kampf.
Später erfuhr man, dass die Deutschen die Zeit brauchten, um den riesigen S-III Komplex mit Sprengladungen sowohl im Innern wie auch durch Verschütten der Tunneleingänge unbrauchbar zu machen.
 

Am 7. April konnte die amerikanische Atom Energie Behörde die verschiedenen Bunker der riesigen Anlage besichtigen und einiges an Geräten abbauen, bevor man erneut die Tunneleingänge verschloss. Merkwürdigerweise – und auch das lässt weitere Spekulationen zu – ist der Zugang zu den relevanten Dokumenten in den U. S. Archiven auf 100 Jahre hinaus gesperrt.
 

Kurz nach der Einstellung der Feindseligkeiten wurde das Gebiet den Sowjets übergeben. Dadurch konnte die Anlage nicht gründlich untersucht werden und ihre genaue Bestimmung erklären. Die Russen haben aus welchen Gründen auch immer es unterlassen, weitere Nachforschungen anzustellen und ließen die Anlage verschlossen. Nur Anwohner bemerkten merkwürdiges Licht, das nachts auftauchte, ohne Gründe dafür zu finden. So vergingen viele Jahre ohne weitere Nachforschungen.
 

1962 fand in Arnstadt, der Kreishauptstadt der Gegend in der DDR eine „Befragung von Bürgern zu Ereignissen zur örtlichen Geschichte“ statt. Diese Befragung sollte herausfinden, was in den letzten Kriegsjahren in Ohrdruf und seiner Umgebung vorgefallen war. Die Ergebnisse dieser Befragung kann man nach der Wiedervereinigung im Jahre 1989 heute im Rathaus der Stadt einsehen.
 

Wachsenburg
Unter den Augenzeugen, die von sich behauptet hatten, Zeuge nuklearer Test gewesen zu sein, war die inzwischen verstorbene Cläre Werner, die zur damaligen Zeit Aufseherin des nahen Wachsenburg Aussichtsturmes gewesen war. Sie beharrte auf ihrer Schilderung, dass sie am 4. März gegen 19.30 ein Licht gesehen hätte, „heller als hunderte von Blitzen“, innen rot und außen gelb. Weiter beschrieb sie wie sich ein heftiger Windstoß über die Berge gefegt wäre. Am nächsten Tag hätte sie und andere aus der Gegend Nasenbluten, Kopfschmerzen und enormen Ohrendruck bekommen. Sie sagte ebenso aus, dass sie einen weiteren enormen Knall am 12. März gegen 22.00 gehört hätte.
 

Die DDR interessiert sich für das Jonastal

Eine weitere interessante Reihe von Aussagen der DDR Befragung aus dem Jahre 1962 bezog sich auf eine riesige Rakete, deren Ausmaße an die der A9/10, besser als Amerika Rakete bekannt, erinnerte.
Cläre Werner gab zu Protokoll, dass die Rakete mit einem ungeheuren Feuerschweif in der Nacht vom 16. März gegen 21.00 gestartet worden wäre. Während sie durch ein Fernrohr in Richtung Ichtershausen schaute. Sie war schon früher auf von einem Freund, der bei der Reichspost Sonderbauvorhaben Ichtershausen beschäftigt war, davon unterrichtet worden, dass eine großartige Errungenschaft in der kommenden Nacht erprobt werden sollte.
 

Ein andere Zeuge waren ein Techniker und ein Betankungsingenieur, die beide aussagten, dass sie an einer Rakete von 30 m Länge arbeiteten, die am 16. März von Polte II, einer weiteren unterirdischen Anlage in der Nähe von Rudisleben, abgefeuert worden war.
 

Selbst die DDR Führung wußte von den Legenden und schickte die Stasi (Staatssicherheit) ins Jonastal. Der Stasi Agent Paul Enke verbrachte ganzes Leben auf der Suche nach dem sagenumwobenen Bernsteinzimmer und seine Nachforschungen führten ihn auch ins Jonastal. Seine Nachforschungen hatten ergeben, dass Kunstschätze „von Ostpreußen auch Thüringen verschleppt worden waren“. Die Reste von Hitlers möglichen letztem Führerhauptquartier spielten bei Enke eine zentrale Rolle in seinen Berichten.
 

Colonel Hayden Sears in Ohrdruf
Als Patton und die 89. Infanterie Division in Ohrdruf ankamen, waren sie auf das, was sie erwartete, nicht vorbereitet, denn Ohrdruf war das erste Konzentrationslager, das die Amerikaner befreiten. Ralph Craib, damals ein zwanzig Jahre alter Sergeant im 2.Infanteriebataillon beschrieb es in der offiziellen Divisionsgeschichte:_”Auf dem Weg nach nach Ohrdruf sahen wir so viele Leichen, dass wir das Zählen bald aufgaben. Dann betraten wir einen Innenhof, wo Häftlinge mit Maschinengewehren umgebracht worden waren. Wahrscheinlich, weil sie zum laufen zu schwach waren, um sie vor den heranrückenden Amerikanern zu verstecken.
 

Diese Menschen waren typisch für die Ohrdruf Gefangenen. Ob tot oder lebendig, sie waren extrem dünn, die dickste Stelle ihres Oberschenkels so schmal wie das Handgelenk eines Zehnjährigen. Sie starben in ihrer typischen Häftlingskleidung und lagen in grotesken Verrenkungen, viele mit weit aufgerissenen Mündern.
Ganz in der Nähe war eine Hütte, in die Leichen wie Holzscheite gestapelt waren, Kopf an Füße und nur mit etwas Kalk bedeckt, offensichtlich zur Beschleunigung des Verwesungsprozesses.
 

Amerikaner besichtigen Verbrennungsort in Ohrdruf
Der finale Ohrdruf Horror war der Todesgraben. Darin hatte die SS ein Rost aufgebaut, auf das unzählige Leichen gelegt und mit Treibstoff angezündet waren. Offensichtlich sollten Beweise ihrer Verbrechen vernichtet werden, doch die Verbrennung war nicht vollsständig und man konnte Füße, Arme und sonstige Menschenteile erkennen. Die Zahl der Opfer war schwer zu bestimmen; einer der Generäle bezifferte sie bei 3.200; ein Überlebender erzählte dem Befragungsteam, dass alleine der Verbrennungsgraben die Überreste von 8.000 Menschen enthielt.
 

Generäle Patton und Bradley am 12. April 1945 in Ohrdruf
Der Oberbfehlshaber der Alliierten, Supreme Allied Commander Dwight D. Eisenhower, der einige Tage später eintraf, war genauso schockiert wie wir. Zur Gruppe um Eisenhower gehörten auch Army Group Kommandeur Omar Bradley und General George (Blood and Guts) Patton , Chef der 3. Armee. Patton wurde noch während der Inspektion von Ohrdruf krank.
 

Den Generälen wird am Block die Züchtigung demonstriert.
Eisenhower schrieb in seinen Erinnerungen,: "Als ich mit den unwidersprochenen Beweisen von Nazi Brutalität konfrontiert wurde, besichtigte ich jeden Winkel des Camp, denn ich betrachtete es als meine Pflicht in einer Position zu sein, von jetzt ab Zeugnis von den Nazi Gräuel abzulegen um denen zu Hause die Wahrheit zu sagen, die glaubten, die Geschichten der Nazibrutalität wären schlichtweg Übertreibungen oder reine Propaganda“. Bradley war emotionaler: „Der Gestank des Todes überwältigte uns alle. Tausende lagen in flachen Gräbern, andere lagen da wo sie starben“. Patton, dem man nachsagte, er wäre gegen die eigenen Truppen zu hart und den Nazis zu weich gewesen, beschrieb Ohrdruf als“das grausigste, was er je gesehen hätte. Worte können nicht den absoluten Horror von Ohrdruf beschreiben. Kein Volk außer denen, die von einer Ideologie des Sadismus getrieben werden, ist zu solchen Taten fähig“.
 

Churchill, Rossevelt und Stalin
Die Generäle flogen von Ohrdruf nach Merkers, um gestohlenes Gold und Kunstgegenstände zu besichtigen, die die Nazis in Europa geraubt hatten. Die internationale Presse, die mit ihnen in Ohrdruf gewesen war, zog mit ihnen. In der Nacht starb Franklin D.Roosevelt und diese Nachricht verdrängte die fürchterliche Entdeckung von Ohrdruf.
 

U.S. Holocaust Museum, Washington D. C.
Es ist Ironie der Geschichte, dass vergessene Todeslager Ohrdruf dennoch unsterblich geworden ist. Ein riesiges Wandphoto des entsetzlichen Krematoriumsgraben ist das erste Bild, das Besucher des Holocaust Mahnmals in Washington D.C. zu sehen bekommen.