Geheime Rüstungsschmiede Thüringen
Während des 2. Weltkrieges startete das deutsche Reich ein massives Bauprogramm, um seine Rüstungsindustrien, Behörden, Regierung und Materialien vor den immer stärker werdenden Luftangriffen zu schützen. Dies war eines der größten und ambitioniertesten Unternehmen der Geschichte und hinterließ viele Fragen über die Konsequenzen, wenn der Krieg nur ein paar Monate später geendet hätte.
Die Vision der Nazis sah vor, dass ein Labyrinth aus, aus Stahlbeton gebauten, bombensicheren, unterirdische Fabriken und Regierungsanlagen in Polen, Frankreich und Deutschland errichtet werde sollten. 1944 wurden bereits 20% aller wichtigen Rüstungsgüter in Tunnel und Fabriken unter der Erde gefertigt und an weiteren Anlagen wurde bis in die letzten Kriegstage gebaut.
Es gab Pläne, wichtige Nervenzentren unter die Erde zu verlegen, wie das Luftwaffenhauptquartier, das in Österreich bereits in Bau war. Als die Alliierten ihren Weg durch das von Nazis besetzte Europa vorstießen, entdeckten sie kilometerlange Tunnel und Bunker. In einigen dieser Anlagen wurde noch die Ausrüstung gefunden, so als ob die Arbeiter nur mal eine Pause eingelegt hätten. Arbeiter und KZ Häftlinge schufteten rund um die Uhr, um das unterirdische Reich des Führers fertig zu stellen.
Im März und April 1945 raste im wörtlichen Sinne die 3. U.-S. Armee von General George S. Patton durch Süddeutschland, um auf kürzestem Wege zu den Skoda Werken in Pilsen-Prag und nach Thüringen zu gelangen, in ein Gebiet, das in einem Dreieck aus alten mittelalterlichen Städten und Dörfern besteht: Arnstadt, Wechmar und Ohrdruf. Aber was war der Grund für Patton und die Amerikaner, derart zielstrebig auf diese Städte loszumarschieren?
In dem Buch “Top Secret”, versuchte Ralph Ingersoll, ein amerikanischer Verbindungsoffizier bei S.H.A.E.F. (Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force) eine Erklärung der damaligen Ereignisse: „ General Omar) Bradley war ganz Herr der Situation …mit drei Armeen unter seinem Kommando, die den Rhein überschritten hatten und jetzt den totalen Sieg sicherstellten. Bei der Analyse der Situation war er der Meinung, dass die Eroberung des völlig zerstörten Berlins ein sinnloser Sieg wäre. Das deutsche Oberkommando war schon längst abgerückt und hatte nur wenige Dienststellen in Berlin zurückgelassen. Die Hauptmasse der Führung inklusive ihrer unschätzbaren Archive war längst in Thüringen“.
Mit anderen Worten, es war ein Rennen um die Schätze Nazi Deutschlands und ihrer militärischen Hochtechnologie. Die Absicht der Alliierten war es, so viele Geheimnisse wie möglich aus dem Schutt des 1.000 jährigen Reiches für ihre Zwecke hervorzuholen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die anderen davon nichts erfuhren. Aber die Masse und Ingeniosität der deutschen Entwicklungen verblüffte selbst die hart gesottenen Offiziere des alliierten wissenschaftlichen Geheimdienstes.
Überschallraketen, Nervengas, Jetflugzeuge, Lenkwaffen, Steahlth (Anti-Radar-Technologie) und spezial gehärtete Panzerung waren nur einige der bahn brechenden Erfindungen, die in den Labors, Werkstätten und Fabriken in Nazi Deutschland entstanden, selbst als das Ende unausweichlich war.Und es waren in diesen frühen Tagen des Kalten Krieges in erster Linie die USA und die Sowjetunion, die in einem verbissenen Rennen gegen die Zeit um diese Hochtechnologie Adolf Hitlers kämpften.
Auf der Jagd nach geheimen Waffensystemen
Im Mai 1945 sicherten sich die Sowjets die atomaren Geheimnisse des weltberühmten Kaiser Wilhelm Instituts für Chemie in Berlin-Dahlem. Die bekannteste Entdeckung dieses Institutes ist die Kernspaltung 1938 von den Chemikern Otto Hahn und Fritz Straßmann und der Physikerin Lise Meitner. Die Rolle der weiteren Kernforschungsprogramme des Instituts für die Atomwaffenforschung im Nationalsozialismus liegt aber weitestgehend im Dunkel. Auf jeden Fall trugen die russischen Erkenntnisse nach der Befragung der Wissenschaftler und der Auswertung der Archive mit dazu bei, die Sowjetunion zur Atommacht zu verhelfen.
Ungefähr zur gleichen Zeit transportierten die Amerikaner Teile für mehr als 200 V-2 aus dem Mittelwerk Nordhausen ab und Werner von Braun und ein Großteil seines Teams siedelte in die USA um, wo sie die Grundlagen für das Apollo Programm und die Landung auf dem Mond legten.
Kurz nach diesen Ereignissen, stellte Major-General Hugh Knerr, stellvertretender Oberkommandierender der US Air Force in Europa trocken fest: “Die Übernahme und Auswertung der deutschen wissenschaftlich-technischen Elite hat alarmierend festgestellt, dass wir hinsichtlich der technischen Fortschritte enorme Defizite haben. Wenn wir nicht die Gelegenheit beim Schopfe packen und uns dieses Potential sichern und für uns arbeiten lassen, werden wir in wenigen Jahren zurückfallen und Feldforschung betreiben, die schon lange vor uns von den Deutschen erfolgreich abgeschlossen wurde“.
Das waren die Grundgedanken, die die Amerikaner dazu bewogen, Operation Paperclip ins Leben zu rufen. Sie diente dazu, deutsche Wissenschaftler und Techniker und deren militärtechnisches Können und Wissen für eigene Zwecke zu rekrutieren. Die Aufgabe war simpel: „Deutsches Wissen für amerikanische Forschung nutzen und deren intellektuelle Ressourcen anderen Ländern, insbesondere der Sowjetunion, vorzuenthalten“.
Der Zweck heiligt die Mittel
Dieser Gedanke wurde sofort in die Tat umgesetzt. Präsident Truman genehmigte Paperclip Im August 1945 und am 18. November kamen die ersten Deutschen schon in den USA an. Es gab jedoch ein Problem. Truman hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass keine belasteten Personen, also Parteimitglieder der NSDAP oder Mitglied einer anderen Organisation wie SA oder SS, oder aktiver Helfer, in die USA einreisen durften. Unter diesen Kriterien wäre schon ein Werner von Braun eine Persona Non Grata gewesen, war er doch sowohl NSDAP Mitglied als auch SS-Mann. In seiner ersten Akte stand denn auch: „Sicherheitsrisiko“.
Und unter den Mitgliedern, die von Braun für Amerika anwarb, waren unter anderem Arthur Rudolph, Produktionsdirektor des Mittelwerkes in Nordhausen, wo mehr als 20.000 Sklavenarbeiter bei der Produktion von V-2 unter entsetzlichen Umständen ums Leben kamen. Rudolph, der den Einsatz von KZ Häftlingen befürwortet und forciert hatte, war später Teamleader des U.S. Saturn V Programms, das Neil Armstrong und Edwin Aldrin auf den Mond brachte. Rudolph wurde als „100 % Nazi, gefährlicher Typ“ eingestuft. Erst 1984 untersuchte das Office of Special Investigations das sich mit der Verfolgung nationalsozialistischer Kriegsverbrecher beschäftigt, die in die Vereinigten Staaten eingewandert waren mit dem Fall Rudolph und erkannte seinen U.S. Staatsbürgerschaft ab.
Kurt Debus, ebenfalls Mitglied der SS, arbeitete ab August 1943 als Entwicklungsingenieur in Peenemünde am Prüfstand A-4 (V-2) und wurde Betriebsleiter des Prüfstands VII. Debus wurde Direktor des Start Operation Centers und schließlich Direktor des John F. Kennedy Space Centers. In seiner Akte stand: „Er sollte als Bedrohung der Sicherheit der alliierten Luftstreitkräfte interniert werden“.
Hubertus Strughold, der später “Vater der Weltraummedizin” genannt wurde, entwickelte für die NASA ein On-Board-Überlebenssystem. Strughold wurde während der Naziherrschaft als außerordentlicher Professor beamteter Leiter des Luftfahrtmedizinischen Forschungsinstituts des Reichsluftfahrtministeriums, dem führenden flugmedizinischen Institut in Deutschland. Hier wurden alle Fragen der wehrmedizinischen Grundlagen- und Zweckforschung behandelt. Anfang 1942 machten Nazi-Mediziner Unterdruck-Experimente - mit wehrlosen Häftlingen. Dazu transportierten sie ins Konzentrationslager Dachau eine "moderne" Folterkammer im Dienste der Wissenschaft. Ein Lehrfilm des Reichsluftfahrtministeriums mit dem Flugmediziner Hubertus Strughold: "Wir können diese Frage studieren in Unterdruckkammern, in denen wir dieselben Luftverdünnungen herstellen, wie sie in jenen Höhen herrschen". Strughold beschreibt die Folgen des Versuchs für den Soldaten: "Schon ist er schwer höhenkrank. Er kann nicht mehr schreiben. Sehen Sie die Zuckungen in der Hand?" Später werden die Luftwaffenärzte alle Schuld und Verantwortung für die Morde ganz einfach der SS in die Schuhe schieben, um ihre Mittäterschaft zu vertuschen.
Die Luftwaffen- Täter von Dachau, Hans Wolfgang Romberg und Siegfried Ruff, sitzen 1946 in Nürnberg auf der Anklagebank - gemeinsam mit anderen Ärzteverbrechern des Nazi-Regimes. Man erklärt sich für unschuldig. Ruff und Romberg werden trotz großer Bedenken des Gerichts freigesprochen. Ihr Chef Strughold wird nicht einmal angeklagt. Dafür sorgen die Amerikaner. Erst im Mai 2006 holt die Vergangenheit Strughold, der weder der NSDAP, noch der SS angehörte, wie auch Werner von Braun, wieder ein, als beide aus der International Space Hall of Fame in Alamogordo getilgt werden.
Alle diese Männer bekommen Papiere zur Einreise in die USA, ihre Verstrickungen und oder Verbrechen wurden geheim gehalten und ihre Lebensgeschichte wurden von dem US Militärs geschönigt, die den Sieg im Kalten Krieg, aber nicht Gerechtigkeit als oberste Priorität sahen. Und die Büroklammer, die die Details ihrer Vita im Ordner zusammenhielt gab der Operation ihren Namen; selbst nach 60 Jahren bleibt ihr Vermächtnis lebendig.
30 Jahre technischer Vorsprung?
Doch neben der V-1 und V-2 gab es noch eine Reihe weiterer futuristischer technischer Neuerungen, die das Interesse der Amerikaner weckte. Eine der bahnbrechenden Entwicklungen des 2. Weltkriegs war die Horten Ho 229 der Gebrüder Horten, denen es 1944 gelang zum ersten Mal ein Nurflügelflugzeug sicher in der Luft zu bewegen. Bis heute ist es rätselhaft, wie es den Brüdern gelang, ohne Computer zu manövrieren. Der einzige heutige Nurflügler der Welt, die Boeing B 2, wäre ohne Computerhilfe nicht flugfähig. Die Horten Ho 229 war nicht nur als Flugzeugkonstruktion einmalig. Die nach hinten gepfeilten Flügel, eine Stahlkonstruktion mit Sperrholz beplankt, waren mit einer Kohlenstofflegierung beschichte, die bereits 1944 Radar absorbierende Wirkung erzielte. Damit kann man durchaus die Horten Ho als erstes Stealth Flugzeug der Welt bezeichnen.
Das U.S. Militär stellte eines dieser revolutionären Flugzeuge John Northrop zur Verfügung. Northrop, ein genialer Konstrukteur, der insbesondere durch seinen Nachtjäger P-61 Black Widow, berühmt wurde, war wie die Horten Brüder ein Verfechter des Nurflüglers, doch gelang es ihm nicht, ein flugfähiges Exemplar zu entwickeln. Erst die Ho 229 gab ihm die nötigen Inspirationen, um die Northrop YB-35 zu bauen, die im Juni 1946 erstmalig flog.
In den 80er Jahren entwickelte Northrops Nachfolgekonzern, die Northrop Grumman. Corporation, den B 2 Spirit Stealth Bomber, ein moderner Clone der Ho 229. Das einzige heute noch existierende Exemplar der Horten Ho 229 steht heute im Garber Restauration Facility des National Air and Space Museum in Washington D.C.. Dort ist sie bis zum heutigen Tage eingelagert, um eines Tages restauriert zu werden.
Die heutigen Cruise Missiles basieren immer noch auf dem Design der V-1 und Scramjets, luftatmende Strahltriebwerke der von der NASA entwickelten X-43, gehen auf deutsches Know-how zurück.
Eine weitere Erfindung, die selbst heute noch die Techniker weltweit fasziniert und beeinflusst ist Eugen Sängers Antipodengleiter, der Raumgleiter. Im Jahre 1936 wurde der Österreicher Eugen Sänger, der in Wien bereits erfolgreich Brennkammerversuche durchgeführt hatte, vom Reichsluftfahrtministerium beauftragt, ein Forschungsinstitut für die Luftwaffe aufzubauen. So entstand kurz darauf in Trauen, nahe dem Fliegerhorst Fassberg das Raketenflugtechnische Institut der Luftwaffe. Hauptaufgabe sollte die Entwicklung neuer Brennstoffkombinationen mit hohen Ausströmgeschwindigkeiten sein. Die Gruppe um Sänger, in der auch seine spätere Ehefrau Dr. Irene Bredt arbeitete, entwickelte die ersten Flüssigbrennstoff-Hochdruck-Brennkammern mit Schüben bis zu 1.000 Kilopond.
Doch die Erfindung, die ihn unsterblich werden ließ war der Antipodengleiter. Er war eine Erfindung, die ihrer Zeit weit voraus war. Der rund 28 m lange, bemannte Gleiter mit einer Spannweite von 15 m sollte auf einer 3.000m langen Schiene auf einem Raketenschlitten eine Geschwindigkeit von ca. 1.800 km/h erreichen und nach dem Abheben mittels Raketenschub auf 300 km Höhe gebracht werden. Das etwa 100 Tonnen schwere Fluggerät sollte dann langsam wieder Richtung Erde gleiten und auf den dichteren Schichten der Atmosphäre, ähnlich wie ein flach über das Wasser geworfener Stein, mehrmals abprallen, um so energiesparend sein Ziel zu erreichen. Die Endgeschwindigkeit war mit 22.100 km/h angesetzt worden.
Für das RLM hieß dieses Ziel natürlich Amerika - man wollte mit Sängers Entwicklung in die Lage kommen, Städte an der Ostküste der USA bombardieren zu können. Geplant war hierfür eine Bombenlast von 3,8 Tonnen. Im Norden des Areals von Trauen hatte man bereits eine rund 1.000 Meter lange Versuchsanlage projektiert, auch ein Modell im Maßstab 1:100 war bereits erstellt und im Windkanal erfolgreich getestet worden.
Doch damit nicht genug. Selbst noch futuristischere Antriebsarten und Flugmaschinen wurden möglicherweise von deutschen Forschern entwickelt und wahrscheinlich auch erprobt. Viele noch unveröffentlichte Dokumente der Operation Paperclip haben viele Historiker, darunter auch den Luftfahrtexperten von Jane´s Defence Weekly, Nick Cook, dahingehend zu spekulieren lassen, dass die USA Nazi Technologie, wie Antischwerkraft, einer potentiellen Quelle unerschöpflicher Energie, weiterentwickelt haben könnten. Cook behauptet in seinem Buch “The Hunt for Zero Point”, dass” deren Zerstörungspotential so groß wäre, dass die U.S. Regierung beschlossen hätte, diese Erkenntnisse für lange Zeit unter Verschluss zu halten.
Fabrik im Berg, Startbahn auf dem Berg
In Thüringens Bergen gab es aber noch mehr Geheimnisse. Fritz Sauckel, der Gauleiter Thüringens, wollte in Thüringen den von ihm so benannten Schutz –und Trutzgau für den Führer errichten. Im Juni 1943 wurde die Sonderabteilung „Jägerstab“ wird gebildet, die die Verlegung der Luftwaffenproduktion unter Tage realisieren sollte. Im gleichen Monat schrieb Sauckel, der 1936 die Wilhelm-Gustloff-Stiftung in Weimar gegründet hatte, am 21. März 1942 Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz (GBA)wurde, einen Brief an Göring: „Im Rahmen des Jägerbauprogrammes habe ich in meiner Eigenschaft als Stiftungsführer der Gustloff-Werke diese beauftragt, sofort mit der größten Intensität die Produktion im Rahmen dieses Programms aufzunehmen. Die Produktion kann nahe der Stadt Kahla (Saaletal) in den Gängen der Kaolin-Stollen der Porzellanfabrik aufgenommen werden. Die vorhandenen Stollen sind im Durchschnitt 3 – 3 ½ m breit und 3 m hoch und können entsprechend erweitert und vermehrt werden. Die gesamte nutzbare Fläche beträgt etwa 10 000 qm. Die Gänge sind absolut trocken und können mit verhältnismäßig leichter Mühe staubfrei gemacht werden. Der überdeckende Berg hat im Durchschnitt etwa 35 – 50m gewachsenen Boden. Ich bitte um Ihre Zustimmung, dieses Unternehmen sofort durch die Gustloff-Werke starten zu lassen und die Fertigung einer bestimmten Type oder von Teilen, Motoren etc. festlegen zu wollen. Arbeitskräfte für diesen Zweck werden von mir schnellstens mobilisiert und auch einen Teil der Stamm –und Facharbeiter der Gustloff-Werke angeordnet werden.“
Göring begrüßte den Vorschlag und die Reimahg GmbH, Reichs Marschall Hermann Göring, wurde gegründet. Ab März 1944 entstanden zehn Haupt- und 18 Nebenlager für Ausländer und Deutsche. Unter ihnen befanden sich Zwangsarbeiter, ausländische Zivilarbeiter und deutsche kriegsdienstverpflichtete Arbeitskräfte. Bis Kriegsende wurden fast 12. 000 Menschen untergebracht. Im Juni 1944 begannen die Arbeiten zur Erweiterung des vorhandenen Stollensystems. Zu diesem Zeitpunkt waren untertage 700 Menschen beschäftigt, davon 65 Bergleute. Im Juli entstand binnen zehn Monaten ein Stollensystem mit einer Gesamtlänge von ungefähr 15 Kilometer Länge.
Die größten Anlagen der REIMAHG Werke waren die Bunker. Es gab sieben Hauptbunker und mehrere kleine Bauten. Neben diesen entstanden innerhalb von neun Monaten noch drei große Hallen sowie ungezählte kleinere Häuser und Hütten. Sauckel bezog selbst ein Blockhaus oberhalb der Werkshallen, um seinem Steckenpferd nah zu sein. Zusätzlich wurden noch 3 Schrägaufzüge, ein großes Schienensystem, 4 Brückenfeiler sowie 2 Ver- und Umladebahnhöfe errichtet. Die Startbahn auf dem Walpersberg von etwas mehr als einem Kilometer Länger mit ihren Schrägaufzügen war der Clou der gesamten Anlage.
Die Länge der Startbahn betrug 1.100m. Der Bergrücken wurde begradigt und gerodet. Die natürlich gegebene Länge betrug 900 Meter. Die übrigen Meter wurden durch Aufschüttungen erreicht. Dies war jedoch für den Start einer Me 262 immer noch zu kurz. Daher wurden dem Flugzeug zwei Starthilfsraketen montiert, die nach dem Start wieder abgeworfen wurden. Eine Landung auf dem Berg war nicht möglich. Gestartet wurde in beide Himmelsrichtungen, je nach Wind und Wetterlage. Danach flogen die Flugzeuge zu einem 130 km entfernten Flugplatz, wo sie mit Waffen und Funkausrüstung ausgestattet wurden.
Im Oktober 1944 inspizierte Reichsmarschall Hermann Göring die Werksanlage und Gauleiter Fritz Sauckel erteilte dem Werk A in Kahla den Auftrag zur Fertigung der Me 262.
Die fast angelaufene Fertigung der FW 190 und der TA 152 wird auf andere Standorte verlegt. Die erste komplett montierte Me 262 startete am 21.02.1945, um 13.35 Uhr vom Walpersberg. Bis April hoben weitere 17 - 26 Flugzeuge von diesem einzigartigen Bergflugplatz ab.
Die fast angelaufene Fertigung der FW 190 und der TA 152 wird auf andere Standorte verlegt. Die erste komplett montierte Me 262 startete am 21.02.1945, um 13.35 Uhr vom Walpersberg. Bis April hoben weitere 17 - 26 Flugzeuge von diesem einzigartigen Bergflugplatz ab.
Englische Luftbildaufklärer entdeckten in diesen Wochen Ziel und Zweck der Werkanlage. Das war auch kein Wunder, denn die Bomberbesatzungen überquerten auf ihrem Weg nach Berlin das Gebiet und der Bau der Startbahn und der Bunker musste erkannt werden, da unverständlicherweise das Bauvorhaben nicht getarnt wurde. Das Gebiet und die Baustelle wurde nun ununterbrochen fotografiert und ausgewertet, jedoch nicht angegriffen und bombardiert. Die unterirdische Anlage sollte unbeschädigt in Besitz genommen werden, um die Geheimnisse vor den Russen in Besitz zu nehmen. gebraucht. Am 12. April besetzten die Amerikaner die „Reimahg“. Die CIOS, ist eine Spezialeinheit zur Sicherung aller Daten deutscher Wissenschaft und Technologie, plünderte alle Dokumente, Unterlagen und Produktionsteile in der „Reimahg“.
In Stadtilm, nicht weit entfernt von der Kreisstadt Arnstadt, richtete die Forschungsgruppe um Dr. Kurt Diebner ein Kernforschungslabor in den Kellergewölben der damaligen Mittelschule ein. Dort wurden Experimente zur Urankernspaltung und Brennversuche mit Uran und Deuteriumoxideis durchgeführt.
Atomare Geheimnisse
Diebner hatte Physik an den Universitäten Innsbruck und Halle/Saale studiert. 1931 promovierte er und seine Dissertation zeigte, dass seine Stärken auf dem Feld der Experimentalphysik lagen. Kurz nachdem er den Doktortitel erhalten hatte, wechselte er zur PTR (Physikalisch-Technischen Reichsanstalt) und 1934 zur Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes (HWA). Dort arbeitete er unter der Leitung von Professor Dr. Erich Schumann an der Initialzündung von Sprengstoffen mit Hilfe von radioaktiven Strahlen. Ab Sommer 1939 übernahm Diebner die Leitung des neu gegründeten Referats für Atomphysik bei der Gruppe Wa F I (Physik) des HWA in Kummersdorf bei Berlin. Nach dem Beginn des 2. Weltkrieges strebte das HWA an, alle Forschungen zur Kernspaltung für Rüstungszwecke zu kontrollieren. Wichtigster Schritt in dieser Richtung war die Übernahme des KWI (Kaiser-Wilhelm-Institut) für Physik in Berlin-Dahlem.
Parallel zu den Arbeiten am KWI für Physik begann Diebner Ende 1939 mit dem Aufbau einer eigenen Atomforschungsgruppe an der Versuchsstelle des HWA in Gottow. Die Arbeit des Uranvereins war wesentlich durch das spannungsvolle Verhältnis zwischen Kurt Diebner und Werner Heisenberg geprägt. Unbestritten ist heute, dass Diebner mit dem Würfel-Konzept das bessere Reaktorkonzept als Heisenberg mit seinem Platten-Prinzip verfügte. Nach mehreren dokumentierten Reaktorversuchen kam es im Frühjahr 1944 in Gottow zu dem Versuch G III b mit 564 Kilogramm Uranwürfeln und knapp sechshundert Liter schwerem Wasser. 1943-44 begann Diebner mittels Hohlladungen thermonukleare Reaktionen einzuleiten. Diese Versuche waren nach seiner Aussage nicht erfolgreich. Seine Teilnahme an Tests von nuklearen Versuchsanordnungen im März 1945 ist nicht sicher belegt. Allerdings nennt ihn Werner Grothmann, Chefadjutant von Reichsführer SS Heinrich Himmler, als durchführenden Verantwortlichen für diese Versuche.
Im Mai 1945, nach einer abenteuerlichen Überführung des Labors Stadtilm nach Bayern wurde Diebner von US-Soldaten verhaftet und gemeinsam mit den Nobelpreisträgern Werner Heisenberg und Otto Hahn, Walther Gerlach, Erich Bagge und anderen im englischen Farm Hall interniert. Nach sechs Monaten konnten die Wissenschaftler in ihre Heimat zurückkehren.
2005 veröffentlichte Rainer Karlsch sein Aufsehen erregendes Buch „Hitlers Bombe“, in dem er behauptete, Diebner hätte mehrere Atomtest, darunter auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf, unternommen.
Ein weiteres Geheimnis ist S-III Olga in Jonastal. Im Herbst 1944 übernahm die SS den Truppenübungsplatz Ohrdruf und richtete auf dem Lagergelände das Außenkommando S-III des KZ Buchenwald ein. Wozu im Jonastal ein riesiges Stollensystem gebaut wurde, ist umstritten. Theorien behaupten unter anderem, dass Sklavenarbeiter hier seit November 1944 ein unterirdisches Führerhauptquartier für Adolf Hitler gebaut hätten. Andere vermuten unterirdische Fertigungsstätten für Atombomben und Fernraketen. Bewiesen ist bis heute nichts. Zu guter letzt glaubte auch die Führung der DDR, dass das Bernsteinzimmer hier vergraben wäre und ließ jahrelang danach suchen.





































