
Heimatverteidigung
Nachdem den Alliierten der Ausbruch aus der Normandie gelungen war, begann für die deutsche Wehrmacht ein permanenter Rückzug, der bisweilen in panikartige Flucht ausartete. Nur mühsam gelang es der deutschen Führung Ordnung ins Chaos zu bringen, wobei ihnen zugute kam, dass überdehnte Nachschublinien die Alliierten zwangen, ihr Vormarschtempo drastisch zu senken. Der erhebliche Mehraufwand für die Großoperation Market Garden (Wegnahme der Maas- und Rhein-Brücken in Holland durch Montgomery) war überdies ein weiteres Argument für eine Verlangsamung des Vormarsches Richtung Rhein.
Am 10. September 1944 verfügt Hitler die „Übernahme des Westwalls durch den OB West an die Wehrmacht“. Zwei Tage später betreten US Soldaten erstmals das Reichsgebiet im Raum Stolzenburg, nördlich von Vianden. Am 13. stehen sie in Roetgen, nahe der Dreilägertalsperre. Am 14. September lautet der Tagesbefehl vom Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall von Rundstedt:
"Im Kampf um Deutschland ist der Westwall von entscheidender Bedeutung. Ich befehle: Der Westwall mit jeder seiner einzelnen Anlage ist bis zur letzten Patrone und bis zur völligen Vernichtung zu halten. Dieser Befehl ist sofort sämtlicher Kdo. Behörden, Dienststellen, Kampfkommandanten und Truppen bekannt zu geben."
Nur leider ist hier der Wunsch größer als die Realität. Kurz nach Beendigung des Frankreichfeldzuges beginnt die Wehrmacht die Westwall Bunker und Vorfeld Hindernisse zu kannibalisieren, um sie dem Atlantikwall zuzuführen. In kurzer Zeit beginnt die Natur sich das zurückzuholen, was RAD (Reichsarbeitsdienst) und OT (Organisation Todt) in den 30er Jahren ihr genommen haben. Die Bunker und Gräben wachsen zu, Wasser sammelt sich in den Verteidigungsanlagen, Bauern nutzen die Unterstände als Remise. Zum Teil verschwinden auch Schlüssel zu den Bunkern und müssen erst mühsam mit Gewalt Anfang September geöffnet werden. An manchen Stellen ist man auch überrascht, Beutegut vorzufinden, das „Goldfasane“ (NS Partei Bonzen in der Umgangssprache) dort eingelagert haben.
Am 15. September fällt Monschau fast kampflos. Zweifall wird besetzt. Am 16. sind sie in Schevenhütte, das bis November 1944 der östlichste Punkt des US Angriffabschnittes bleiben wird. Zu diesem Zeitpunkt beschließt der amerikanische Korps Kommandeur Collins den Schwerpunkt des Angriffes nicht auf Aachen, sondern auf die Höhenzüge im Osten zu verlagern. Er will die rechte Flanke sichern, bevor er die 3. US Panzerdivision in Richtung Düren rollen lassen will. Darüber hinaus will Eisenhower das gute Strassennetz im Bereich von Schmidt für seinen Vormarsch auf Düren und Köln nutzen. Der ungeheure Bedarf an Nachschubgütern, der ausschließlich per LKW transportiert werden kann, verlangt nach guten Strassen. Die Frage nach der Einnahme der Rursee Talsperren stellt sich zu diesem Zeitpunkt den Amerikanern – noch - nicht.
Auf deutscher Seite hatte man die Absicht der US Führung erkannt und adäquate Gegenmaßnahmen getroffen. Insbesondere die zweifache Westwall Bunkerlinie im Bereich des Hürtgenwaldes wird für die Amerikaner zum Albtraum. Die deutschen Artilleriestellungen, die an den Höhenzügen ostwärts der Rur aufgestellt waren, konnten wichtige Kreuzungen, Lichtungen oder Truppenansammlungen unter Sperrfeuer nehmen. Alle Hänge und Wege waren mit Sprengfallen gesichert und vermint. Aber am schlimmsten für die Amerikaner war der Wald. Schon der römische Geschichtsschreiber Tacitus erwähnte die Gegend vor 2 000 Jahren: „Die Landschaft ist im Ganzen schaurig wegen ihrer Wälder“.
Diese tragen auch dazu bei, dass zu Beginn der Kämpfe Panzer nicht eingesetzt werden. Nicht eingesetzt werden können, denn wo zwei Bäume mit 25 cm Stärke nahe genug beieinander stehen, ist das Gelände nicht mehr panzergängig. Erfahrung im Waldkampf fehlt den Amerikanern völlig. Die Deutschen hingegen haben hinreichend Erfahrung in den Wäldern Russlands sammeln können und haben ein paar böse Überraschungen für die US Regimenter bereit. Einen weiteren Schwachpunkt bietet das bergige Gelände hinsichtlich der Funktauglichkeit. Die Deutschen tragen dem Rechnung, indem sie schon beim Bau des Westwalls darauf achten, Kabelverbindungen zwischen Bunkern extrem tief in geschützten Betonröhren zu verlegen.
Zu guter letzt hat auch die Witterung den Deutschen in die Hände gespielt. Selten im Laufe der Wetteraufzeichnungen konnte man einen derartig verregneten und kalten Herbst beobachten. Anfangs nur Regen, der sich sintflutartig steigern konnte, gesellten sich Kälte und später Schnee dazu. Alles Einflüsse, die die Kampfkraft der Amerikaner, aber auch der Deutschen schwächte. Erleichternd für die Deutschen war aber auch die Tatsache, dass unter diesen Witterungen die gefürchtete Luftunterstützung für die US Divisionen ausblieb. Das galt zwar für die Deutschen gleichermaßen, doch Mangel an Treibstoff und Piloten ließen Einsätze nur in ihrem Fall nur seltenen Fällen zu. Seltene Ausnahme der 3. Dezember. 60 Jabos vom Typ ME 109 stoppen den Versuch der Amerikaner nach der Einnahme von Brandenberg auch Bergstein zu besetzen. Dies ist der größte Einsatz der Luftwaffe während der Hürtgenwald Kämpfe.













